Des Saitenklanges Widerhall

Dreischütz-Maske-HalleDes Saitenklanges Widerhall

Welch wunderbares Klanggewebe
Haucht noch der Abendwind mir zu?
Bakchos, durchglüht von roter Rebe,
Erscheinst, Apollon, singest du?
Wehklagen, so dem Orkus nicht
Entschollen je, aus Felsengründen,
Und Freude, glänzend Himmelslicht,
Macht mich der Laut zugleich empfinden.

Im Meer von aller Qualen Quellen
Träuft meiner Seele süße Lust;
Und Tränen feuchten, Seufzer schwellen
Mit heilgem Graun die Dichterbrust ‒
Und tiefstes Leid und tiefres Glück
Entgleißen ihren innern Ringen,
Da, sacht berührt von Heilsmusik,
Auch ihre Sphären widerklingen.

O, Wunder! Wunder dieser Töne,
O, Ankunft wilder Weltennacht,
In jäher Meteorenschöne
Von tausendhehrem Trug durchfacht! ‒ ‒
Von Götterhand entseelt, entzweit,
Umsprüht von sangestollen Funken,
Liegt höchste Heldenherrlichkeit
In Rausches Blut dahingesunken.

Es tagt! Mich dürstet nach der Sonne,
Der Eos Rosenglut zu schaun,
Im Freien webet schon die Wonne
Der kalten Luft im Morgengraun.
Dort auf den Stufen wacht ein Rund
Von Jünglingen lorbeerumhangen
Und einer schlägt im Freundesbund
Die Laute mit betauten Wangen.

___________

Foto: Johanna Beyer

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